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Sie sind hier: Sterbebegleitung

 

 

 

 Sterbebegleitung

 

 

 

 

      

Berichte aus der Praxis:

 

"Dreimal konnten wir noch miteinander snoezelen."

dargestellt von Birgit Ludigkeit

  

"Sie lachte herzhaft über mein unvollkommenes Münsterländer Platt."

dargestellt von Walburg Nonhoff

  

 

 

 

  

Was wir tun können

 

 

Wir sind ein ambulanter Hospizdienst. Unsere Arbeit umfasst vor allem die Begleitung von Sterbenden in ihrer familiären und häuslichen Umgebung und die Begleitung von Trauernden.

 

  • Wir vermitteln ehrenamtliche Helfer, die bereit sind,
    • zuzuhören, wenn Sie über die Krankheit, Sorgen, Nöte und alles, was damit verbunden ist, sprechen möchten.
    • da zu sein, auch wenn es Ihnen nicht gut geht.
    • auch in der Zeit des Abschieds und der Trauer zur Seite zu stehen.
  •  
  • Wir entlasten Angehörige, Freunde und Nachbarn durch Sitzwachen und andere Dienste. 

 

  • Wir begleiten Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, Nationalität oder Art der Erkrankung. 

 

  • Wir stehen unter Schweigepflicht. 

 

  • Wir übernehmen keine Krankenpflege und verstehen unser ambulantes Hilfsangebot als eine Ergänzung zu den anderen sozialen Diensten.

  

 

  

 

 

   Ansprechpartnerin / Kontakte 

 

 

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Ihre Ansprechpartnerinnen bei Sterbebegleitungen sind:

  

Ursula Pich-Potthoff

und

Notgeria Frohnhoff

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Tel.:      02541 / 84 83 80

 

mobil:  0160 / 97 31 83 53

  

  

Sprechzeiten im Hospiztreff nach Vereinbarung

 

 

Wenn Sie unsere Unterstützung wünschen oder weitere Fragen haben, rufen Sie uns bitte an oder kommen einfach zu einem Gespräch in den DaSein-Hospiztreff. 

 

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Brigitte Hamm ist die Sprecherin für die Trauerbegleitung und Leiterin der Treffen der Trauerwerkstatt.

Außerdem vertritt sie die Anliegen der Trauerbegleiter im Leitungsteam.

 


  

Wie kann eine Sterbebegleitung aussehen?

 

Berichte aus der Praxis: 

 

 

 

"Dreimal konnten wir noch miteinander snoezelen."

 

dargestellt von Birgit Ludigkeit

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In der Anfangszeit meiner Tätigkeit in der DaSein-Hospizbewegung rief mich die ehrenamtliche Koordinatorin an und bat mich, eine bettlägerige alte Frau, die in einem Altenheim der Stadt lebte, auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Es war Mai und der Frühsommer begann gerade.

  

Die Koordinatorin bat mich, zuerst mit der Tochter Kontakt aufzunehmen. Nach einem kurzen Gespräch besuchten die Tochter und ich die Mutter, die still in ihrem Bett lag, unruhig die Hände bewegte, nicht sprach und nur zwischendurch die Augen öffnete. Schon nach wenigen Sätzen mit Frau W., wie ich sie ab jetzt nenne, hatte ich das Gefühl, dass ich sie gerne besuchen möchte. Die Tochter konnte ihre Mutter nur am Sonntagmorgen besuchen. Mein Besuchstag war ab jetzt der Donnerstagnachmittag.

 

Zur Kaffeezeit, also gegen 15 Uhr war ich da. Dann tranken Frau W. und ich „Kaffee“, d.h. entweder reichte ich Frau W. Joghurt oder mit Kaffee getränkten Kuchen. Dabei „sprachen“ wir miteinander. Frau W. versuchte, in ihrer Sprache mir etwas zu erzählen, ich versuchte, ihr zu antworten. Wenn sie zum Beispiel erregt klang, gab ich ihr Recht, dass es für sie nicht einfach sei, so auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

  

Nach einigen Wochen nahm ich vorsichtig Körperkontakt mit Frau W. auf, indem ich meine Hand unter ihre legte. Ich streichelte ihre Wangen, fuhr mit den Fingern die Konturen ihrer Hände und Arme nach.

 

Manchmal betete ich mit Frau W. ein Gesätz vom Rosenkranz, manchmal sang ich ein Marienlied für sie. Von der Tochter hatte ich erfahren, dass ihre Mutter sehr religiös sei. Wenn Frau W. nicht beten wollte, gab sie es mir in ihrer Sprache zu verstehen. Wenn sie zum Jesusbild in ihrem Zimmer schaute, beteten wir miteinander.

 

Oft waren wir nur still – und hielten uns an der Hand. Vorlesen mochte Frau W. gar nicht. Besonders schöne Momente waren es für mich, wenn Frau W. mich anschaute.

 

Immer wieder habe ich uns eine Kerze angezündet, in der Adventszeit die Kerzen eines Gestecks, nach Weihnachten die elektrischen Kerzen am Weihnachtsbaum. Dann drehte ich das Bett so, dass Frau W. den Baum auch sehen konnte.

 

Am Rosenmontag kam Frau W. mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus. Der Bruch wurde fixiert und am Dienstag war Frau W. wieder in ihrem Zimmer im Altenheim. Nach diesem Krankenhausaufenthalt machte Frau W. einen sehr viel schläfrigeren und schwächeren Eindruck auf mich, auch von dem Joghurt wollte sie nach zwei bis drei Teelöffeln nicht mehr essen.

 

Eines Tages bat mich die Ergotherapeutin mit Frau W. zu snoezelen, d.h. ein fahrbares Zelt wurde um das Bett von Frau W. gefahren, ich habe mich ganz nahe an das Bett gesetzt. Oben am „Zeltdach“ drehte sich eine Kugel mit einem bunten Mosaikmuster. Diese Kugel wurde von einer kleinen Lampe angeleuchtet, so dass bunte Lichtreflexe zu sehen waren. Frau W. und ich berührten unsere Hände, hörten wunderschöne Meditationsmusik von Martin Buntrock. Zwischendurch verfolgte Frau W. mit ihren Augen die wandernden Lichter. Das „Snoezelen“ hat nicht nur Frau W. genossen, sondern ich auch!

 

Drei Mal konnten wir noch miteinander „snoezelen“.

 

Kurze Zeit später rief eine Pflegerin bei uns an, Frau W. läge im Sterben, die Tochter könne erst gegen Mittag kommen. Ich machte mich sofort auf den Weg und war gegen 9.30 Uhr bei Frau W.

 

Sie lag mit geschlossenen Augen in ihrem Bett und atmete schwer. Um ihre übereinander gelegten Hände hatte die Pflegerin einen Rosenkranz gelegt. Wir zündeten eine Osterkerze an und eine Kerze aus der früheren Pfarrgemeinde.

 

Dann war ich mit Frau W. alleine.

 

Ich betete wie auch schon früher den Rosenkranz. Ich habe Körperkontakt gehalten und dabei aufgepasst, dass ich Frau W. nicht festhielt. Die längste Zeit saß ich still bei Frau W. Die Zeit verging sehr schnell. Zwischendurch kamen Pflegerinnen und die Putzhilfe, um liebevoll von Frau W. Abschied zu nehmen.

 

Gegen Mittag kam die Tochter, auch der Sohn kam mit seinem Hund. Die Kinder nahmen ihre Mutter an die Hand und ich habe den Kreis geschlossen, dann haben wir gemeinsam ein Vater unser gebetet. Als die Tochter schließlich nach Hause musste, blieb der Sohn noch bei der Mutter, wollte aber, dass auch ich dabei bliebe. Gemeinsam hörten wir „unsere Snoezel Musik“ an.

 

Immer wieder haben wir uns unterhalten, und Frau W. konnte die Stimme ihres Sohnes hören. Am Spätnachmittag löste uns die Tochter ab, ich kam am Abend noch einmal, ebenso am nächsten Morgen. Still saß ich bei Frau W. und stellte für mich fest, dass sich ihr Zustand seit Montagmorgen nicht verändert hatte. Immer habe ich auf vorsichtigen Körperkontakt geachtet.

 

Bevor ich am Abend nach Hause fuhr, teilte ich der Nachtschwester mit, dass ich am nächsten Tag erst gegen 11.30 Uhr kommen könne.

 

Am Mittwochmorgen ist Frau W. um 8.50 Uhr verstorben. Eine Pflegerin war bei ihr. Die Pflegerin rief bei uns an, Sohn und Tochter waren nicht erreichbar.

 

Mein Sohn Sebastian, der das Gespräch angenommen hatte, benachrichtigte mich. Ich konnte meine Verabredung abbrechen.

 

Gegen 9.30 Uhr war ich bei Frau W. und ging zu ihr auf das Zimmer. Ich berührte sie und zündete außer der brennenden Osterkerze alle im Zimmer befindlichen Kerzen an. Ich habe gebetet und wieder die CD mit der „Snusel Musik“ angestellt. Ich dachte daran, dass der Sohn einmal gesagt hatte, wenn er im Sterben liegen würde oder tot sei, würde er sehr gerne gute Musik hören.

 

Die Stille und die Ruhe bei und mit Frau W. waren sehr wohltuend. Nach einiger Zeit verließ ich Frau W., kam aber noch einmal zurück, weil dann die Tochter kam. Wir drückten uns stumm die Hand. Sie bat mich, weiterhin da zu sein.

 

Ich verließ das Zimmer und ging auf den Flur und wartete auf den Priester. Gemeinsam betraten wir das Zimmer. Während wir beteten, kamen der Ehemann der Tochter und die beiden Enkelinnen. Kurz nachdem der Priester gegangen war, verabschiedete auch ich mich von Frau W. und der Familie.

 

Gründonnerstag bat mich die Tochter, zur Leichenhalle zu kommen, alleine wollte sie nicht zu ihrer Mutter gehen.

 

Als wir bei Frau W. waren, getrennt durch eine Scheibe und eine verschlossene Tür, brachte der Gärtner gerade Blumen für Frau W.. Nachdem er die Blumen in die Kammer gestellt hatte, bat ich ihn, ob die Tochter noch einmal zu ihrer Mutter gehen dürfe. Natürlich war das möglich, auch ich konnte mich noch einmal persönlich von Frau W. verabschieden.

 

Frau W. wurde in ihrem Heimatort beerdigt. Mein Sohn Sebastian fuhr mich dorthin. Die präzise Beschreibung der Tochter ließ uns den Weg gut finden. Während der Messe saß Sebastian im Auto und lernte für seine bevorstehende Abi-Klausur.

 

In dieser meiner ersten Begleitung, hat mir Frau W. sehr viel gegeben.

 

Zum ersten Todestag von Frau W. bekam ich einen Blumenstrauß von der Tochter.

 

 

 

 

 

 

"Sie lachte herzhaft über mein unvollkommenes Münsterländer Platt."

 

dargestellt von Walburg Nonhoff

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Am 8. Juli 2009 lernte ich Frau B. im Alter von knapp 82 Jahren persönlich kennen. Zuvor hatten wir nur einen kurzen Telefonkontakt gehabt. Eine sehr gepflegte, stattliche Dame öffnete mir die Tür und hieß mich willkommen. Da sie nach dem Krieg zwei Jahre als Hausmädchen in der Familie meiner Schwiegereltern den Haushalt erlernt hatte, hatten wir reichlich Gesprächsstoff und lernten uns schnell und gut kennen. Unsere Kommunikation war sehr unverkrampft. Die Chemie stimmte, und wir kamen uns auch durch Lachen und Heiterkeit sehr schnell näher, ein echter Glücksfall.

 

Nach einer schweren Krebsoperation an verschiedenen Organen und anschließender Chemotherapie lebte sie nun wieder, nach dem Tode ihres Mannes ein knappes Jahr zuvor, in ihrer sehr schönen Wohnung alleine. Ihre vier Töchter betreuten sie regelmäßig. Der Pflegedienst kam dreimal täglich und auf Anruf auch nachts, wenn die Koliken und die Übelkeit ihr arg zusetzten. Eine Zugehfrau hielt ihre Wohnung in Ordnung und bereitete ihre Mahlzeiten.

 

Frau B. wollte partout wieder zu Kräften kommen, war aber etwas unzufrieden, da alles so langsam ging. Trotzdem trainierte sie eifrig, immer ein bisschen länger aus dem Bett zu sein und in ihrer wohlgeordneten, kleinen Welt mit ihrem Rollator unterwegs zu sein. Ein Mal waren wir sogar fast eine Stunde in ihrem schönen Garten; wir bewunderten zusammen die Vielfalt ihrer Rosen. Sie war nach meinem Eindruck hoffnungsvoll, trotz ihrer Beschwerden, und sagte mir einmal: „Ich möchte es noch ein paar Jahre schaffen.“

 

Bei meinem letzten Besuch las ich ihr auf ihren Wunsch hin zwei kurze Geschichten (Dönekes) aus dem Münsterland vor. Sie lachte herzhaft über mein unvollkommenes Münsterländer Platt.

 

So, wie mit ihren Töchtern besprochen, musste Frau B. am späten Abend ihren Pflegedienst und Arzt wegen heftigster Übelkeit und Koliken rufen, die sie noch in der Nacht zum 3. August ins Hospiz nach Dülmen bringen ließen. Dort verstarb sie in der Nacht des 4. August im Beisein aller vier Töchter, die auch dort ihre Mutter liebevoll betreut haben.

 

Zu dem am 4. August um 15 Uhr stattfindenden sehr schönen und tröstlichen Abschiedsritual wurde ich eingeladen. Die vier Töchter hatten ihre Mutter für die Aufbahrung angekleidet und das Bett mit vielen Rosen und Teelichtern geschmückt. Frau B.‘s doch plötzlicher Tod und diese miteinander verbrachte halbe Stunde haben mich sehr angerührt.