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Sie sind hier: Jubiläum

 

 

 

 10 Jahre DaSein-Hospizbewegung in Coesfeld 

 Jubiläumsprogramm September bis November 2010

 

 

Festakt

 

 

 

 

Jubiläumsschrift

 

Jubiläumsprogramm

 

   "Bevor ich gehe, bleibe ich" von Petra Afonin

 

 

 

 

 

 

 

Festakt

 

Einladung

 

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 Festvortrag

 

 

 

Hospiz-Bürgerinnen und -Bürger bewegen die Gesellschaft

 

von Dr. phil. Verena Begemann

 

 

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Wie gehen wir in unserer Gesellschaft mit Sterben und Tod um? Können wir mit dem Tod umgehen oder ist es nicht vielmehr so, dass der Tod mit uns umgeht? Wir können nicht sagen: „Nein danke, wir sterben nicht!“ Der Tod widerfährt uns ungefragt. Wir sind also heraus­gefor­dert, uns gegenüber der Er­kennt­nis der Endlichkeit zu verhalten, wenn wir den Tod nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern ihn als Lebensaufgabe verstehen wollen. Der Tod fordert uns als Einzelne, als Familien und als Gesellschaft heraus, über das Leben nachzudenken.

 

Die Hospizbewegung hat diese Herausforderung seit den 1980er Jahren angenommen. Sie ist seitdem zu einer großen Bürgerbewegung geworden, in der sich mittlerweile mehr als 80.000 Menschen ehrenamtlich engagieren. Bürgerinnen und Bürger, die sich von Krankheit, Leiden und Schmerz berühren ließen, haben viel bewegt, weil sie danach gefragt haben, wie ein würdevolles Sterben in einer beschleunigten Gesellschaft aussehen kann. Sie haben erkannt, dass es nicht klug, sondern sogar lebensverneinend ist, wenn der Tod nicht mehr zum Leben gehört. Sie haben sich für eine neue Kultur des Innehaltens und des Wahrnehmens auf den Weg gemacht und dabei auch gelernt, sich selbst nicht zu vergessen.

 

Menschen, die sich in der Hospizarbeit ehrenamtlich engagieren – die Hospiz-Bürgerinnen und Hospiz-Bürger – suchen sowohl nach sinnvollen Aufgaben in der Gesellschaft als auch nach Erfüllung für ihre Lebensführung. Für sie bedeutet ihr bürgerschaftliches Engagement eine gute Verbindung von Selbstliebe und Nächstenliebe. Im Zusammenspiel von Erfahrungswissen, Beziehungsfähigkeit und lebenslangem Lernen wird Engagement gebildet. Hier ist ein Raum zur Selbstentfaltung und Begegnung, in dem kreative Ideen verwirklicht werden können und echte Zeitgeschenke gemacht werden.

 

Die Hospizbewegung ist vorbildlich, was die Vorbereitung auf die ehrenamtliche Tätigkeit angeht. In Vorbereitungskursen machen sich Menschen mit dem Themenkomplex „Leid – Sterben – Tod – Trauer“ vertraut. Die Arbeit an Haltungen ist ein zentrales Grundelement, wenn Teilnehmer sich mit ihrer Lebensgeschichte, mit Abschied, Tod und Trauer auseinandersetzen. In Haltungen wird der eigene Lebens- und Arbeitsstil sichtbar. Sie sind Teil des Charakters, also Teil der Persönlichkeit, die durch vielfältigste Lebenserfahrungen geprägt und geformt sind. Die Teilnehmer lernen, sich und den Anderen durch den Kurs bewusster wahrzunehmen. Häufig gilt es den Blick für die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens zu schärfen und das eigene Tun und Lassen wertzuschätzen und zu überprüfen. Die Auseinandersetzungen zu Sinn- und Wertfragen des Lebens bieten wertvolle Orientierungen, um zu reflektierten Einstellungen zu gelangen, die dann auch in Begleitungssituationen tragfähig sind. Ein Hospizvorbereitungskurs ist somit immer auch ein Ort der ethischen Bildung für den Einzelnen und die Gruppe. Es ist eine Bildungsarbeit, die in der praktischen Sterbebegleitung als wertvolles Handeln für die Gesellschaft sichtbar wird.

 

Bürgerschaftliches Engagement bewegt die Gesellschaft. In politischen Diskussionen, im wissenschaftlichen Diskurs und im Alltag vieler Wohlfahrtsverbände hat das Thema eine neue Aktualität und Bedeutung gewonnen. Studien über das freiwillige Engagement („Freiwilligensurvey 1999-2004“), die Lebenssituation älterer Menschen („Alterssurvey 2005“) und die Enquete Kommission des Deutschen Bundestages „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ von 2002 haben wichtige Informationen und Erkenntnisse geliefert. So ist ein verändertes Selbstverständnis bei engagierten Bürgerinnen und Bürgern wahrzunehmen. Im Gegensatz zum alten Ehrenamt, das häufig durch Pflichterfüllung und Selbstlosigkeit gekennzeichnet war und in dem man sich „seinem“ Verein oder „seiner“ Kirche ein Leben lang verbunden fühlte, ist das moderne Engagement eher durch zeitliche Begrenzung, Projektorientierung sowie durch den Wunsch nach Mitgestaltung und Selbstverwirklichung gekennzeichnet. Eigenwohl und Gemeinwohl ergänzen und inspirieren sich wechselseitig. Die Studien zum Freiwilligenengagement zeigen, dass Menschen durch ihr Engagement die Gesellschaft zumindest im Kleinen mit gestalten wollen. Ehrenamtliche wollen mit sympathischen Menschen zusammen kommen und wünschen sich in ihrer Tätigkeit Freude und Sinnerfüllung. Sie wollen und können Verantwortung übernehmen und möchten für ihre Tätigkeiten auch Anerkennung finden.

 

Die Hospizbewegung ist eine Bürger- und Bürgerinnen-Bewegung, in der gut vorbereitete, qualifizierte Ehrenamtliche mit hauptamtlichen Ansprechpartnern und Koordinatoren zusammenarbeiten und von diesen begleitet werden. Das Engagement ist eine individuelle und gesellschaftliche Ressource, die es mit Sorgfalt und Achtsamkeit zu fördern und zu unterstützen gilt. „Ehrenamt ist unbezahlte Tätigkeit, aber unbezahlbar“, so lautet einer der vielzitierten Sätze in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion. Zugleich ist es wichtig, dass wir die Vielfalt der Engagementmotive anerkennen und die Rahmenbedingungen miteinander verlässlich abstimmen. Wir brauchen einen kooperativen Arbeitsstil in der Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Es gilt, unser Bewusstsein dafür zu sensibilisieren, dass wir uns auf Augenhöhe in unterschiedlichen Rollen und Funktionen wertschätzen und ernst nehmen. Sicherlich ist es sinnvoll, immer mal wieder über die Stimmigkeit von Aufgaben miteinander ins Gespräch zu kommen und sich der unterschiedlichen Kompetenzen bewusst zu werden.

 

Wir brauchen in der Hospizarbeit das lebenslange Lernen des „gemischten Doppels“ von Haupt- und Ehrenamt und das Bewusstsein, dass gerade unsere Unterschiedlichkeit unsere Zusammenarbeit reich und kostbar, aber auch nicht immer einfach macht. Aber in dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit, wenn Menschen sich mit anderen für andere engagieren, in der wir auch miteinander ringen müssen, bildet sich Sozialkapital. Die Hospizbewegung verfügt über ein hohes Sozialkapital. Der Aufbau von Beziehungen, Netzwerkarbeit, gegenseitiges Kennen und Anerkennen gehört zum „Kerngeschäft“ der Hospiz-Bürgerbewegung. Soziales Kapital wächst, wenn Vertrauen in tragfähige Beziehungen wächst und die Vielfalt von Haupt- und Ehrenamt geschätzt und geachtet wird.

 

Die Hospizbewegung steht für mich auch für eine neue Sehnsucht nach Geborgenheit in schweren und leidvollen Lebenssituationen. 1500 ambulante Hospizvereine, 162 stationäre Hospize und 166 Palliativstationen, die häufig von Hospizvereinen initiiert und unterstützt werden, sind eine erfolgreiche Bilanz (Stand: 05/2008). Hospiz-Bürgerinnen und Bürger haben einen hohen Anteil daran, wie wir heute mit Sterben, Tod und Trauer umgehen. In kleinen Schritten versuchen wir uns dem Unbegreiflichen anzunähern, um den Tod nicht totzuschweigen, weil wir sonst das Leben verschweigen würden. Ich denke, dass es eine große Sehnsucht nach Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft gibt.

 

Die Hospizbewegung ist deshalb so bedeutsam, weil hier Menschen dem Sterben und Tod und der Trauer ins Auge schauen. Sie bleiben, wenn man am liebsten weglaufen würde und Begleitungssituationen nur schwer auszuhalten sind. Aber genau darum geht es doch in unserer Zeit, dass wir dem kranken, sterbenden und trauernden Menschen ein Gegenüber sind. Wir sind als soziale Wesen bedürftige Menschen und aufeinander angewiesen. Wir brauchen das Du, um uns selbst zu entfalten und zu verwirklichen. Wir brauchen das Ohr des anderen, um Lebensfragen stellen zu dürfen und klären zu können. Wir brauchen ein Schweigen, das erst den Raum für das Gespräch eröffnet. Und wir brauchen die Kompetenz des Lassens, die uns erst die Erlaubnis für die Aktivität gibt. Erst wenn wir es aushalten können nichts zu tun und eine gute Ausdauer im Wartenkönnen entwickeln, sind wir auch bevollmächtigt zu handeln.

 

 

 

 

Bildergalerie

 

 

Die Bildergalerie zum Festakt gibt Ihnen einen Eindruck von der Veranstaltung.

Klicken Sie hier: Galerie "festakt

 

 

 Allgemeine Zeitung vom 20. September 2010

 

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Jubiläumsschrift

 

 

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Jubiläumsprogramm

 

 

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Chanson-Programm um Liebe, Tod und Trauer:

"Bevor ich gehe, bleibe ich" von Petra Afonin

 

 Allgemeine Zeitung vom 27. September 2010

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Lesung von Herrad Schenk: "Die besten Jahre?"

 

 

 Allgemeine Zeitung vom 22. September 2010Jubilum6.jpg

 

 

 

 Allgemeine Zeitung vom 30. September 2010

 

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Lesung von Gudrun Pausewang: "Omi, liebe Omi"

 

 

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 Allgemeine Zeitung vom 28. September 2010

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